Klinikum Nord Nürnberg

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Ein Erfahrungsbericht

Leben in der Psychiatrie - wie ist das eigentlich?

Psychiatrie – ein Begriff unter dem man sich viel vorstellen kann. Egal ob weiße Gesichter in noch bleicheren Krankenhauskitteln, zerzauste Haare, blutunterlaufene Augen oder mit Zwangsjacke in der Gummizelle – die Bilder variieren stark zwischen den jeweiligen Betrachtern. Nicht nur allein wegen der Medien- und Filmbranche, die einen solchen Eindruck von psychiatrischen Einrichtungen vermittelt, sondern auch wegen der vielen Missverständnisse und Gerüchte hat der Name „Psychiatrie“ für viele eine sehr negative Wirkung.

Auch ich stellte mir die Kinder– und Jugendpsychiatrie so vor, wie ich sie aus den gruseligen Horrorstreifen kannte: dunkle Zimmer, ein Bett mit Lederfesseln, halbverrückte Wärter, die streng die langen Gänge auf und abgehen; ständig den Knopf für den Elektroschocker in der Hand. Zugegeben, eine ziemlich düstere Vorstellung, doch die Wirklichkeit sieht ganz anders aus: weder dunkle Gänge, noch verrückte Betreuer (Ausnahmen bestätigen die Regel {#emotions_dlg.smile}). Als ich in die KJP eingeliefert wurde, empfingen mich die Patienten und Betreuer sehr herzlich, so gleich wurde mir auch Hilfe beim Zimmer-Einräumen angeboten.

Die Patientensprecherin führte mich durch die Station: Zwei lange Flure mit Doppelzimmern und Aufenthaltsräumen, sowie Küche, Essraum, offener Bereich, Stationszimmer und Personalraum für die Betreuer. Viele Fenster und Licht, an den Wänden hingen die selbst gemalten Bilder der Patienten, die nun mehr oder weniger schön waren. Alles wird sehr offen gehalten, die Gänge waren in freundlichen, hellen Farben gestrichen. Mein mulmiges Gefühl und meine Angst vor dem Unbekannten klangen langsam ab. Patientensprecher werden für zwei Wochen von ihren Mitpatienten gewählt, sie führen Neuankömmlinge herum, schreiben den Fernsehplan (jeden Abend darf ein Film geschaut werden), stellen den Essensplan vor und machen Vorschläge für die Aktivitäten, die jeden Nachmittag stattfinden. Aktivitäten sind zum Beispiel Spaziergänge im Freien oder Bowling, wenn es draußen mal regnerisch ist. Mein erster Eindruck von diesem Angebot war gut, auch wenn man viele Sportarten nicht mag, in der Gruppe macht es dann doch viel Spaß.

Natürlich gibt es feste Mahlzeiten, zu denen man möglichst erscheinen sollte. Nachdem alle am Tisch sitzen, wird gegessen: meist zwei verschiedene Gerichte sind zum Verzehr ausgewählt. Wenn alle fertig sind, beginnt die eineinhalbstündige Mittagsruhe, in der man Zeit für Schlafen, Hausaufgaben oder sonstiges hat, Hauptsache man hält sich im Zimmer auf. Der Tischdienst räumt noch schnell die Reste ab, bis er dann auch in die Zimmer verschwindet.

Vor dem Mittagessen wird der Tag in fünf Stunden unterteilt, in denen man entweder Schule, Gespräche mit den Psychologen, verschiedene Therapien oder Freistunden hat. In den Freistunden lädt oft ein kleines Kartenspiel mit Mitpatienten und Betreuern oder einfach ein ruhiger Aufenthalt im Zimmer ein. An stressigen Tagen sind allerdings manche Patienten voll ausgebucht, es gibt viel Action und man kommt kaum zum Verschnaufen. Dann wird die Mittagsruhe gern gesehen, um endlich die Füße hochlegen zu können.

Das Klima in den Stationen ist gut. Selbstverständlich versteht sich nicht jeder mit jedem, es gibt immer einige Differenzen, auch wegen des Altersunterschieds. Dennoch findet man einige Freunde, mit denen man sich in der KJP sehr gut versteht. Ob man sich nach der Entlassung sieht, bleibt jedem selbst überlassen, trotzdem werden überall fleißig Adressen ausgetauscht.

Das Leben in der Kinder– und Jugendpsychiatrie ist also ganz anders, als man es sich vorstellt. Und Vorurteile von Außenstehenden, die sich selbst noch nie hier aufgehalten haben, sind grotesk und unfair, werden aber von uns Patienten nur mit einem Lächeln abgewiesen. Natürlich sind wir Kinder und Jugendliche mit Problemen, die wir im Alltag nicht allein lösen konnten, aber die KJP hilft uns wieder einen geregelten Tagesablauf aufzubauen und die Therapeuten sorgen dafür, dass wir uns selbst besser fühlen und dass Dinge, die passiert sind, so in Ordnung sind, dass schließlich jeder Fehler machen kann und darf und dass wir uns nicht selber dafür verurteilen müssen. Die Kinder– und Jugendpsychiatrie ist eine tolle Chance für einen Neubeginn und ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass wir sie alle nutzen wollen.

von Anna