Mathestunde direkt am Krankenbett

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Die Schule für Kranke kümmert sich seit mehr als 25 Jahren um junge Patienten in Kliniken in Nürnberg und Fürth

Unterricht im Krankenhaus: Die jungen Patienten lernen entweder im Einzelunterricht mit der Lehrkraft direkt am Krankenbett (oben) oder kommen in ein Klassenzimmer, wenn sie aufstehen dürfen (unten). Maximal 5 Schüler sitzen dann in einer solchen Gruppe.

Die Schülerschaft wechselt täglich, in der "Klasse" sitzen maximal fünf Buben und Mädchen aus allen Altersgruppen und Schularten, und nur in Ausnahmefällen gibt es Noten oder Zeugnisse: So  funktioniert der Unterricht in der staatlichen Schule für Kranke Nürnberg-Fürth, die sich seit 25 Jahren um Kinder und Jugendliche im Krankenhaus kümmert.

Die jungen Patienten sind oft ziemlich überrascht, wenn plötzlich ein Lehrer oder eine Lehrerin am Krankenbett erscheint und fragt, ob sie denn Lust auf Unterricht hätten, räumt Dr. Eva Rehn, die Leiterin der Schule für Kranke, ein. Ist ja ein längerer Klinikaufenthalt schon eine Sache, auf die man gerne verzichten würde, aber dann auch noch Schule? In vielen Fällen nehmen die Kinder das Angebot jedoch dankbar an. "Das bringt ein Stück bekannte Struktur in die neue, fremde Atmosphäre. Der Unterricht lenkt ab von Angst und Schmerzen. Und wenn die Kinder nach dem Klinikaufenthalt wieder an ihre Stammschule zurückkehren, brauchen sie keine Sorge haben, dass sie nicht mitkommen", erklärt Rehn. Das 30-köpfige Pädagogenteam kümmert sich um kranke Kinder und Jungendliche, die länger als drei Wochen in der Kinderklinik oder in der Kinder- und Jungendpsychiatrie am Klinikum Nürnberg, in der Cnopf`schen Kinderklinik in Fürth oder in den anderen Krankenhäusern in Nürnberg und Fürth bleiben müssen. Die bettlägrigen Schüler bekommen Einzelunterricht in den Kernfächern wie Mathe, Deutsch und Fremdsprachen direkt am Krankenbett, wer aufstehen darf, kommt zum gemeinsamen Lernen in einen Unterrichtsraum. "Aber alles nur, wenn es die behandelnden Ärzte erlauben. Jede Visite, jede Untersuchung oder Behandlung hat natürlich Vorrang", meint Rehn.

Unterschiedliche Altersgruppen

Diese Flexibilität ist nicht die enizige Herausforderung für die Lehrkräfte, die pro Jahr etwa 1500 junge Kranke in Nürnberg und Fürth betreuen: In den kleinen Unterrichtsgruppen sitzen häufig Kinder aus unterschiedlichen Altersgruppen und sie kommen aus verschiedenen Schularten, von der Förderschule bis zum Gymnasium. "Wir versuchen zwar, jeweils möglichst Kinder mit ähnlichen Voraussetzungen zu einer Gruppe zusammenzufassen, aber das gelingt natürlich nicht allzu oft", schildert Rehn. Sehr anspruchsvoll ist auch der Umgang mit den jungen Patienten in der Kinder- und Jungendpsychiatrie. Da sitzen dann vielleicht ein depressives Kind, ein Schüler mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und ein autistischer Jugendlicher gemeinsam in einer "Klasse". Und nicht immer stoßen die Pädagogen hier auf begeisterten Lernwillen. "Für die Patienten in der Kinder- und Jungendpsychiatrie ist Schule ja oft Teil des Problems", sagt Rehn. Sie lernen deshalb erst einmal, regelmäßg in die Unterrichtsstunden zu kommen, zuzuhören und dranzubleiben. Doch nicht selten verbuchen gerade hier die Kinder schulische Erfolgserlebnisse. Sie lernen vor allem voneinander: Der Ältere kann dem Jüngeren etwas erklären und erntet dafür Bewunderung vom Mitschüler oder ein Lob vom Lehrer. "Das hast du gut gemacht", hören sie vielleicht zum ersten Mal. Und stellen fest: Lernen kann auch Spaß machen. Die Lehrer - sie kommen ebenfalls aus allen Schularten - halten jeweils Kontakt zur Stammschule des jungen Patienten, tauschen sich mit den Kollegen dort aus oder begleiten das Kind nach der Genesung auch in die Klasse. "Manchmal stellt sich heraus, dass das Kind vielleicht an einer anderen Schule besser aufgehoben wäre. Das versuchen wir dann mit allen Beteiligten haruszufinden", meint Rehn. Zeugnisse oder Noten gibt es in der Schule für Kranke nur in Ausnahmefällen, die Pädagogen beurteilen stattdessen für die Stammschule schriftlich den Entwicklungsprozess des jungen Patienten. Virtueller Unterricht ist ein weiterer, noch recht junger Zweig der Schule für Kranke. Kinder, die längerfristig krank sind und zwischen Klinkikaufenthalten auch immer wieder nach Hause dürfen, können sich von daheim aus übers Internet in die eigene Klasse "einloggen" und so am Unterricht teilnehmen.

Lehrer nehmen Rücksicht

Das maßgeschneiderte Angebot, das sich ganz an den Bedürfnissen der kranken Schüler orientiert, verfehlt seine Wirkung nicht. "Der Schulstoff wird an mich und meine Bedingungen angepasst. Wenn es mir schlechter geht, nehmen die Lehrer weniger durch und überfordern mich nicht", schildert zum Beispiel eine Patientin der Kinder- und Jugendpsychiatrie ihre Erfahrung. Und ein anderes Mädchen aus der Kinderklinik hat noch eine weitere Erklärung für das Erfolgsgeheimnis dieses besonderen "fliegenden Klassenzimmers": "Die Lehrer sind hier viel netter als in der Schule."

VON KATRIN WINKLER

Quelle: Nürnberger Nachrichten, 04.01.2011